Markus Oberauer - Allg. beeideter und gesetzlich zertifizierter Sachverständiger für Heizanlagen
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Wohnraumlüftung Reinigung

Mit einer Wohnraumlüftung lässt sich nicht nur das Feinstaubaufkommen in Innenräumen verringern, sondern auch Wärme sparen. Aber wie sieht es mit der Reinigung der Lüftung aus? Eine Frage für Planer, Hersteller, Lüftungstechniker und Bewohner, die nun in einer aktuellen Untersuchung geklärt wird.

In Österreich werden aktuell 20 Prozent aller neuerrichteten Wohneinheiten mit kontrollierter Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Tendenz: steigend. Wie es mit der Reinigung und den damit verbundenen Kosten aussieht, konnte bis dato nicht von unabhängiger Seite und wissenschaftlich fundiert beantwortet werden. Aus den gültigen Normen lassen sich (noch) keine konkreten oder zeitlich verbindlichen Vorgaben für Reinigungsintervalle ableiten. In der Branche wurde das Thema eher vermieden. Die Frage nach der Reinigung sowie nach Wartungs- und Instandhaltungskosten ist aber zentral für die Entscheidung, welches Lüftungssystem gewählt wird und wie es eingebaut wird. 

 

Reinigung: Intervalle, Methoden und Kosten

Die Reinigung von Lüftungen wird von spezialisierten Unternehmen und von Lüftungsherstellen angeboten. Die Reinigung speziell von Wohnraumlüftungsanlagen ist noch nicht Routine. Die häufigste Methode ist die Reinigung mit rotierenden Bürsten, gefolgt von Druckluftdüsen für kleinere Querschnitte. Das Absaugen und Abscheiden der Ablagerungen erfolgt im Regelfall am anderen Ende der Reinigungsöffnung.

Die Kosten für eine Anlagenreinigung liegen zwischen fünf und 14 Euro pro Quadratmeter Wohnnutzfläche. Die große Kostendifferenz lässt sich vor allem durch folgende Faktoren erklären: Zugänglichkeit, einfach oder aufwändig zu reinigende Komponenten, Art des Verteilsystems, unterschiedliche Rohrlängen. Die Kosten werden meist nach tatsächlichem Aufwand abgerechnet.

Die meisten Anlagen wiesen Abschnitte auf, die nur durch zerstörende Bauteilöffnungen für eine Reinigung zugänglich sind. Der damit verbundene bauliche Zusatzaufwand muss den Reinigungskosten zugerechnet werden. Sehr häufige Kostentreiber bei einer Reinigung stellen hochflexible Alufolienschläuche mit Drahtspirale und in den Strömungsquerschnitt ragende, lange Schrauben dar. Letztere sind eigentlich laut geltenden Normen unzulässig, da sie die Reinigung erheblich erschweren.

Alternativ zu diesen Rohrsystemen werden heute vermehrt flexible Kunststoffrohre mit Verteilkästen eingesetzt. Die sternförmige Verteilung bietet Vorteile bei der Reinigung – wenn richtig gebaut wurde. Denn die Verteiler sind oft ohne Revisionsöffnungen ausgeführt oder so ungünstig positioniert, dass sehr lange Luftleitungen mit mehreren engen Biegeradien notwendig sind. Das führt zu einer empfindlichen Verteuerung der Reinigung.

Die Frage nach dem Reinigungsintervall kann nicht pauschal beantwortet werden, da in der Praxis die Verunreinigungen sehr unterschiedlich sind. Empfohlen wird, die Anlage mindestens alle fünf Jahre inspizieren zu lassen, und zwar durch einen unabhängigen, nicht kommerziell an einer Reinigung interessierten Sachverständigen. Das Abluftsystem sollte nach fünf bis zehn Jahren und das Außenluft-Zuluftsystem nach zehn bis zwanzig Jahren gereinigt werden.

Grundsätzlich zeigten die Luftmessungen einen deutlich geringeren Feinstaubanteil in den Innenräumen im Vergleich zur Außenluft. Gleichzeitig konnte nur mehr ein sehr kleiner Teil der in der Außenluft vorkommenden Hefe- und Pilzsporen im Innenraum nachgewiesen werden. In keiner der untersuchten Anlagen konnten aktive Quellen dieser Mikroorganismen festgestellt werden.

Zwei Drittel der geprüften Zuluftleitungen erfüllten die Vorgaben der mittleren Sauberkeitsqualitätsklasse nach EN 15780. Etwas mehr als ein Viertel der Stichproben erfüllten sogar die Anforderungen für eine hohe Sauberkeitsqualitätsklasse. Im Zuluftbereich war eine deutliche Tendenz zu einem höheren Staubansammlungsgrad bei längerer Betriebszeit erkennbar. Vier Anlagen, von denen die meisten bereits seit mehr als zehn Jahren in Betrieb waren, wiesen eine Staubflächendichte von deutlich mehr als 4,5 g/m² auf, was laut Norm die maximale Obergrenze darstellt. Diese Anlagen sollten umgehend gereinigt werden.

 

Verschmutzte Abluftsysteme: Energieeffizienz und Brandschutz stehen auf dem Spiel

Im Gegensatz zu den Zuluftbereichen wurden in den Abluftleitungssystemen überraschend hohe Mengen an Flusen und Staub vorgefunden. Die maximale Staubflächendichte von 9 g/m² wurde von knapp 90 Prozent der geprüften Anlagen überschritten. Viele Abluftleitungen waren auch von außen für den Laien erkennbar sehr stark verschmutzt. Eine klare Korrelation der Staubflächendichte mit der Betriebsdauer oder dem Baujahr der Anlage war nicht erkennbar. Bei fast allen in Betrieb befindlichen Anlagen wurde der Grenzwert der EN 15780 um ein Vielfaches überschritten. Auch jene Anlagen, bei denen der Bewohner den zugänglichen Bereich in Eigenregie gereinigt hatte, überschritten den Normgrenzwert signifikant. 

Hohe Staubflächendichten wurden auch in jenen Anlagen vorgefunden, die im Jahr 2007 in Betrieb gegangen waren, also in den jüngsten Anlagen der Untersuchung. Teilweise waren bereits nach weniger als zehn Jahren Betrieb die Strömungsquerschnitte in den Luftleitungen von Bädern und Küchen so stark verengt, dass sich der Volumenstrom deutlich reduzierte. Die Ablagerungen in Abluftrohren sind hygienisch kaum relevant, solange sich die Anlagen in Betrieb befinden. Problematisch ist der Staub jedoch für den vorbeugenden Brandschutz und die Energieeffizienz. 

Eine Rückhaltung des Staubes durch geeignete Filter an den Abluftdurchlässen ist eine Methode, um die Reinigungsintervalle deutlich zu verlängern. Es besteht Bedarf an funktionellen Lösungen, die eine lange Standzeit und geringe Druckverluste ermöglichen.

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